Die Münchner Fußgängerzone wurde zu den Olympischen Sommerspielen 1972 eröffnet und ist damit eine der ersten autofreien Shoppingmeilen in Deutschland. Nicht nur zum Einkaufsbummel kommen die Menschen aus Nah und Fern in die Innenstadt. Zwischen Marienplatz und Karlsplatz-Stachus reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste und zahlreiche bayerische Traditionswirtschaften freuen sich auf einen Besuch.
Die Eröffnung der Münchner Fußgängerzone am 30. Juni 1972 war die letzte Amtshandlung von Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel. Der OB konnte zufrieden auf seine Amtszeit zurückblicken: Nicht nur war es ihm gelungen, die Olympischen Sommerspiele von 1972 in die Stadt zu holen, er hatte auch eine grundlegende Modernisierung des Münchner Verkehrsnetzes mit auf den Weg gebracht.
Die Fußgängerzone im Herzen der Altstadt war das lange überfällige Zugeständnis an Einkaufslustige in der Innenstadt. Bis in die 1960er-Jahre waren Erledigungen in den Geschäften entlang der Kaufinger- und Neuhauser Straße mit einem gefährlichen Slalom zwischen den Straßenbahnen und dem Durchgangsverkehr mit bis zu zu 75.000 Autos täglich verbunden. Endlich verfügte München, übrigens als erste Stadt in Deutschland, über ein zentrales und autofreies Einkaufsareal. In den vergangenen Jahren wurden auch weite Teile der übrigen Innenstadt in Fußgängerzonen umgewandelt.
Die Neuhauser- und die Kaufingerstraße zählen zu den höchstfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. In Spitzenzeiten, etwa während des Christkindlmarktes, sind hier schon mal an die 200.000 Menschen an einem einzigen Tag zum Shoppen unterwegs. Neben Traditionshäusern und großen Ketten zeichnet sich die gesamte Münchner Fußgängerzone durch viele kleine Läden, moderne Einkaufspassagen und zahlreiche Gastronomiebetriebe aus. Das Flair der Münchner Altstadt mit Oper, Viktualienmarkt und vielen weiteren Highlights gibt es gratis mit dazu.
Kaufingerstraße – hier ist der Name Programm. Tag für Tag ergießt sich ein wahrer Strom von einkaufslustigen Menschen durch Münchens Haupteinkaufsstraße. In Wirklichkeit aber hat der Name einen ganz anderen Hintergrund: Bereits wenige Jahre nach der Stadtgründung 1158 wurde die Straße nach einer wohlhabenden Münchner Patrizierfamilie benannt, den Kaufingers, die hier ihren Familiensitz hatten. Von Anbeginn an war die Kaufingerstraße eine Handelsstraße, ein Teilstück der Salzstraße, die aus den Bergen über die Isar und durch den Markt München weiter nach Augsburg führte. Neben den Kaufingers errichteten hier viele weitere Kaufmannsfamilien ihre Wohnhäuser.
Zu den ersten Kaufhäusern, die im 19. Jahrhundert entlang der Kaufinger- und Neuhauser Straße entstanden, zählte das Geschäftshaus „Zum Schönen Turm“, in dem heute das Herrenbekleidungshaus Hirmer untergebracht ist. Eine Plakette am Kaufhauseingang, eine Miniatur eines Turms an der Ecke des Gebäudes und der mit andersfarbigen Steinen gekennzeichnete Umriss eines Fundaments auf dem Pflaster erinnern an den „Schönen Turm“. Er muss reich verziert gewesen sein, und markierte bis Mitte des 13. Jahrhunderts die Grenze der mittelalterlichen Stadtbefestigung nach Westen. Das Wissen um den erst 1807 abgerissenen Turm erklärt, warum an dieser Stelle mitten in der Fußgängerzone die Kaufingerstraße in die Neuhauser Straße übergeht.
Ein weiterer Einkaufstempel aus dem 19. Jahrhundert ist das unter Denkmalschutz stehende Kaufhaus Oberpollinger gleich hinter dem Karlstor mit seinem Warenangebot im Premium-Bereich. Richtet man den Blick nach oben, erblickt man die beiden Handelsschiffe auf den Giebeln, die daran erinnern, dass die ursprünglichen Betreiber des Warenhauses aus Hamburg kamen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Häuser und Geschäfte entlang der Kaufinger- und Neuhauser Straße schwer getroffen. Wer aufmerksam schaut, erkennt zwischen Gebäuden aus den 1950er- und 60er-Jahren und solchen neueren Datums noch einzelne Fassaden und Portale aus der Vorkriegszeit. Wieder aufgebaut wurden die Jesuitenkirche St. Michael mit der Grablege von König Ludwig II., das angrenzende Jesuitenkollleg „Alte Akademie“ und die Bürgersaalkirche, die Grabstätte des 1980 selig gesprochenen Paters Rupert Mayer. Eine Ausstellung in der Kirche veranschaulicht den Weg des Jesuitenpaters vom Seelsorger zum mutigen Prediger gegen die Nationalsozialisten.
Vor der Kirche St. Michael weitet sich die Fußgängerzone zu einem Platz, der in der wärmeren Jahreszeit mit Palmen, Blumenschmuck und Stühlen zum Verweilen einlädt. Straßenlaternen mit gläsernen Doppelkugelleuchten und Pflanztröge aus Beton erinnern auch hier daran, dass die Fußgängerzone ein Kind der Siebziger ist. Mit dem Richard-Strauss-Brunnen vor der Alten Akademie mit Motiven aus der Oper Salomé setzte der Künstler Hans Wimmer dem Münchner Komponisten 13 Jahre nach dessen Tod ein Denkmal. Die Aufführung von Richard Strauss' Oper „Die Frau ohne Schatten“ anlässlich der Wiedereröffnung der Bayerischen Staatsoper war 1963 ein wichtiges Zeichen der Zuversicht für das Wiederaufleben der zerstörten Stadt.
Mütterlicherseits war Strauss ein Spross aus der Münchner Brauerfamilie Pschorr. Deren Brauerei lag bis zum Zweiten Weltkrieg gegenüber von Kirche und Kolleg auf der anderen Seite der Neuhauser Straße. Im Rückgebäude am Altheimer Eck erblickte der Komponist am 11. Juni 1864 das Licht der Welt. In dem modernen Nachfolgebau von 2016 ist heute unter anderem Sportscheck untergebracht. Der Clou ist die Fassade aus Glas und Bronze, in der sich die Michaelskirche und die Alte Akademie spiegeln und die damit auf architektonisch interessante Weise eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlägt.
Nur wenige Schritte weiter brauten die Augustinermönche ab 1328 in ihrem Kloster an der Neuhauser Straße das erste Münchner Bier. Heute wird Augustiner-Bräu in alle Welt exportiert, und noch immer ziert ein Mönch die Flaschen. Besonders authentisch genießt man seine Augustiner-Halbe im späteren Stammhaus der Brauerei Zum Augustiner schräg gegenüber der Michaelskirche. Highlights dieser typisch münchnerischen Bierhalle sind der historische Muschelsaal mit Glaskuppel im Jugendstil von 1897 und der lauschige Arkadengarten im Innenhof. Übrigens: Die Brauerei ist 1895 in die Landsberger Straße in die Nähe der Hackerbrücke gezogen und steht heute unter Denkmalschutz.
Die gotische Klosterkirche der Augustiner an der Neuhauser Straße wurde nach der Säkularisierung 1803 als Mauthalle genutzt. Heute befinden sich in der einstigen Kirche das Café Rischart mit einem sonnigen Außenbereich, das Jagd- und Fischereimuseum, Souvenirlädchen und ein FC Bayern-Fanstore.
Beim Schlendern durch die Fußgängerzone spitzen immer wieder die türkisen Kuppeln der Frauenkirche über den Dächern hervor. Auf Höhe des Hutfachgeschäfts Breiter, das schon seit über 100 Jahren hier ansässig ist, öffnet sich der Blick durch die Liebfrauenstraße direkt auf den Dom. Rund um den spätgotischen Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert mit seinen charakteristischen Hauben gibt es beschauliche Ecken mit Traditionswirtschaften wie dem Augustiner Klosterwirt, dem Bratwurstglöckl, dem Augustiner am Dom und dem Andechser am Dom.
Der Marienplatz ist das Herz der Stadt. Die Mariensäule markiert den Mittelpunkt der Metropole. Von hier aus entwickelte sich alles, was München heute ausmacht. Von 1972 an war „Münchens gute Stube“ Teil der ersten Münchner Fußgängerzone. Inschriften in den Eingangsbereichen des Münchner Neuen Rathauses dokumentieren große Ereignisse der Münchner Stadtgeschichte wie zum Beispiel die Olympischen Spiele von 1972 und die Partnerschaft mit acht Städten weltweit. Im Erdgeschoss des Rathauses sind neben der Tourist Information auch zahlreiche kleine Läden zu finden. Bernsteinschmuck, Bücher, Blumen, Blusen, Schuhe, fränkische Wurstwaren, Filz und vieles mehr kann hier erworben werden.
Ein beliebter gastronomischer Treffpunkt ist das Restaurant Ratskeller, wie der Name schon verrät im Gewölbe des Rathauses gelegen. Am Rathauseck und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Rathaus steht das Kaufhaus Beck mit seiner auffällig gemusterten Fassade. Das Münchner Traditionsunternehmen blickt auf eine über 150-jährige Geschichte zurück. Sehenswürdigkeit Nummer eins ist seit über 100 Jahren das Glockenspiel im Turm des neugotischen Rathauses: Ritterturnier und Schäfflertanz sind oft der Auftakt oder die willkommene Unterbrechung einer Einkaufstour durch das Shopping-Paradies in der Münchner Altstadt.